RITZ: Herr Schmidt, Sie sind Leiter und Sprecher des PioneerPorts in Friedrichshafen. Das Gründungs- und Innovationszentrum der Zeppelin Universität soll seine Studierenden dazu einladen, unabhängig ihres Studiengangs oder ihrer Gründungsidee unternehmerisch zu denken und zu handeln. Zuletzt hat der PioneerPort eine Förderung in Höhe von rund einer Million Euro vom Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen des Wettbewerbs „EXIST-Potentiale“ erhalten.

Was sind die Aufgaben des PioneerPorts und welche Formate bieten Sie an, um junge Unternehmen bei ihrem erfolgreichen Start zu unterstützen?

Herr Schmidt: Im Kern hat der PioneerPort zwei Aufgaben:
Einerseits die Förderung von studentischen Gründungen und Unterstützung sowie Coaching studentischer Gründerteams in der (Pre-)Seed-Phase.
Hier können sich beispielsweise studentische Gründerteams in einem zweistufigen Auswahlverfahren als RacingTeam bewerben (zwei Mal pro Jahr, Dauer 6 Monate, aktuell 13 Teams) und das gesamte Angebot des PioneerPort RacingTeam Programm nutzen. Dieses besteht aus drei Säulen; der Infrastruktur und Nutzung des CoWorking Spaces direkt am See, Workshopangebote zu gründungsrelevanten Themen und der Zugang zum Netzwerk des PioneerPort für z.B. Pilotkunden oder Co-Founder.
Andererseits sind wir Impulsgeber und Moderator für Gründungsrelevante Themen für Unternehmen und Startup-Ökosysteme in der Bodenseeregion Bodensee und Süddeutschland. Hier bieten wir beispielsweise verschiedene Formate wie Hackathons oder Einbindung in Lehrveranstaltungen an, bei welchen Unternehmen Fallgeber für Studierende sein können. Dabei besteht beispielsweise die Möglichkeit durch Studierende neue Impulse und Geschäftsmodelle entwickeln zu lassen oder kooperativ mit Studierenden und Mitarbeitern zu entwickeln.
Darüber hinaus entwickeln wir aktuell ein Intrapreneurship Toolkit für KMU, welches in drei Säulen die Unternehmen im Bereich Spin-Off und Ausgründung von Unternehmen unterstützen soll.

RITZ: Herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung im Wettbewerb „EXIST-Potentiale“! Welche strategische Weiterentwicklung strebt der PioneerPort an und wie würden Sie dessen Vision formulieren?

Herr Schmidt: Im Rahmen von EXIST Potenziale bei welchem wir uns als Verbundprojekt mit der Hochschule Albstadt-Sigmaringen durchsetzen konnten, haben wir als ZU und PioneerPort zwei Kern-/Teilprojekte im Antrag verankert.
Zum einen die Entwicklung des zuvor bereits erwähnten Intrapreneurship Toolkit welches aus drei Säulen bestehen soll. Diese reichen dabei von der Identifikation potenzieller Mitarbeiter und Ideengenerierung durch ein Innovation Camp, über Zertifikatsprogramme für Mitarbeiter bis hin zu interdisziplinären Beratungsteams zur Unterstützung des Ausgründungsprozesses.
Zum anderen möchten wir ein Programm entwickeln, welches unseren Studierenden erlaubt, ihre Gründungsidee noch stärker mit dem Studium zu verknüpfen. Beispielsweise durch die Anrechnung eines Gründungssemesters mit ECTS / Credit Points, wobei stets der wissenschaftliche Anspruch einer Universität im Gründungssemester im Fokus steht – aber eben auch die Verbindung zum eigenen Gründungsprojekt.

RITZ: Für die Unternehmen unseres Innovationszentrums RITZ stehen die Themen Digitalisierung und Mobilität der Zukunft im Fokus. Für wie relevant schätzen Sie diese Themen für die Startups des PioneerPorts und in der Gründerszene generell ein?

Herr Schmidt: Im PioneerPort folgen wir der Haltung des Mehrwertigen Unternehmertums und der Implementierung des Gedankens der unternehmerischen Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Unternehmertum ist dabei mehr als die Bereitstellung von preiswerteren, innovativeren oder einfach zusätzlichen Gütern und Dienstleistungen. Es ist eine allgemeine Form, Lösungen für gesellschaftliche Problemstellungen unter marktwirtschaftlichen Bedingungen bereitzustellen.
Die Digitalisierung ist ohne Frage einer der größten gesellschaftliche Umbrüche und Herausforderungen der aktuellen Zeit und bietet die Möglichkeit gesellschaftliche Fragestellungen und Probleme neu zu denken und lösen zu können. In einer Region in Baden-Württemberg und dem Bodensee, in welcher das Thema Mobilität eine große Tradition hat, ist es nur logisch, dass auch Institutionen wie das RITZ, sich diesen (Zukunfts-)Themen annehmen und die Wirtschaft und Akteure vor Ort unterstützen und gezielt thematische Impulse setzen können.

RITZ: Wie könnte in Ihren Augen eine ideale Kooperation zwischen dem fertiggestellten RITZ und dem PioneerPort aussehen oder: wie sähe ein idealer Synergieeffekt zwischen den beiden Innovations-Förderern aus?

Herr Schmidt: Die studentischen RacingTeams haben die Möglichkeit sich nach ihren ersten sechs Monaten im PioneerPort, auf eine einmalige Verlängerung des Programms bis zu insgesamt 12 Monate, zu bewerben – danach müssen sie Platz machen für nachfolgende Teams und Ideen.
Um ihre Idee auch vor Ort in der Region weiter voranzutreiben, suchen wir Kooperationspartner, in deren Räumlichkeiten die Teams, im Anschluss an ihre Zeit im PioneerPort, weiterarbeiten können.
Das RITZ bietet dabei ideale Bedingungen für junge Gründerteams in einem anregenden Umfeld zusammen mit anderen Startups, Unternehmen und Stakeholdern aus dem Technologie-Sektor, an ihrem Unternehmen zu arbeiten und die nächsten Entwicklungsschritte nehmen zu können.
Darüber hinaus bietet das RITZ ein Podium und Raum für die verschiedenen Akteure im Bereich der Gründungs- und Innovationsförderung, wie dem PioneerPort als Teil der Zeppelin Universität, sich zu vernetzen und so neue Projekt- und Kooperationsansätze anzustoßen und zu realisieren.